Agnes Springorum
Agnes Springorum war eine junge, unverheiratete Frau aus Bochum, die im 16. Jahrhundert zur städtischen Elite gehörte. In ihrem Testament stiftete sie eine wohltätige Stiftung, die arme, fromme Dienstmägde, die heiraten wollten, mit einer Mitgift ausstatten oder – falls keine solche Person vorhanden war – die ortsansässigen Armen unterstützen sollte, bekannt als die „Springorum-Spende“. Als Mitglied einer einflussreichen Familie mit Verbindungen zu Bochums Stadtführung und Adel spiegelt ihr Vermächtnis sowohl ihren sozialen Status als auch ihr philanthropisches Engagement wider. Ihre Stiftung kam der Gemeinschaft bis zum Dreißigjährigen Krieg zugute und macht sie zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit der Bochumer Frühneuzeit.
Am 14. Januar 1568 erschienen Agnes Springorum und ihr Bruder Gerrit vor dem Bürgermeister und Rat von Bochum. Sie wollten ihre Angelegenheiten regeln, bevor sie in die Fremde reisten – denn damals konnte der Tod plötzlich kommen. Sie unterschrieben einen gegenseitigen Erbvertrag, doch leider bewahrheitete sich Agnes’ Vorahnung noch im selben Jahr: Am 6. September lag sie in Köln, von der Pest befallen, und diktierte dem Notar Lucas Wintzler ihren letzten Willen.
Agnes war erst 26 oder 27 Jahre alt, doch sie hatte bereits beschlossen, etwas Bleibendes zu hinterlassen. Neben Geschenken an Freunde und Familie vermachte sie 100 Taler dem Bochumer „Gasthaus“, einer Einrichtung für Arme und Kranke. Das Geld sollte jedes Jahr einer armen, frommen Magd, die gern heiraten wollte, eine Mitgift ermöglichen. Falls es keine solche Magd gab, sollte das Geld den Ortsarmen zugutekommen. Letztlich wurde ihre Spende genutzt, um alljährlich zu Fronleichnam Roggen und Gerste an die Armen der Gemeinde zu verteilen – bis der Dreißigjährige Krieg die Stadt zwang, alle Einnahmen für Kriegslasten zu verwenden.
Agnes stammte aus einer der angesehesten Familien Bochums. Ihr Bruder war Stadtschreiber, und der Ehemann ihrer Schwester Anna wurde später mehrfach Bürgermeister. Auch ihre mütterliche Familie war hochgeachtet, und ihr Großvater hatte den Namen „Springorum“ angenommen, nachdem er eine Erbin geheiratet hatte. Diese Sitte war nicht nur im westfälischen Bauerntum verbreitet, sondern auch im städtischen Bürgertum.
Ihre Geschichte zeigt, wie selbst eine junge Frau etwas bewegen konnte – und wie der Name und die Güte einer Familie weiterwirken.
External source: https://www.bochum.de/Historische-Frauen/Agnes-Springorum
Events & References
Mutual Inheritance Agreement of Agnes and Gerrit
14 January 1568 · Bochum, Deutschland
In January 1568, Gerrit and Agnes Springorum, brother and sister, concluded a mutual inheritance agreement in Bochum in anticipation of travel. The contract appointed trusted relatives as legal representatives and established a donatio causa mortis, providing that the surviving sibling would inherit the shared house and property, while fixed monetary legacies were assigned to their other brothers. The agreement further regulated the settlement of debts and safeguarded the arrangement against legal challenge.
Will of Agnes Springorum
6 September 1568 · Köln, Deutschland
In her will of 6 September 1568, drawn up in Cologne during a severe outbreak of plague, Agnes Springorum made provisions for the disposition of her estate. The document records charitable donations, individual legacies to siblings and close relations, the appointment of her brother Johan Springorum as executor, and the designation of her brothers Sibert and Dietherich Springorum as residual heirs after the settlement of debts and bequests.
Reference: Will of Agnes Springorum
Family
Parents
- ♂ Johann Springorum I (c. 1505 – c. 1560)
- ♀ Margarete von der Hembecke (c. 1505 – ?)




