DNA Match
Brücke zwischen dem Amsterdamer und dem deutschen Zweig
Nach vielen Abenden intensiver Recherche ist es mir gelungen, meine Amsterdamer Vorfahren bis zu Johann Heinrich Springorum und Helena Herdinck zurückzuverfolgen. Die früheste Erwähnung findet sich in einem Taufeintrag aus dem Jahr 1742 in der St.-Lambertus-Kirche in Henrichenburg, wo sie als Großeltern von Barend Springorum genannt werden.
Versuche, weitere Quellen zu finden — insbesondere eine Heiratsurkunde von Johann Heinrich und Helena — blieben erfolglos. Die Kirchenbücher von Henrichenburg sind unvollständig und schlecht erhalten. Viele Seiten wurden im Laufe der Zeit beschädigt oder gingen verloren, wodurch frustrierende Lücken in der historischen Überlieferung entstanden sind.
Eine parallele Linie in Deutschland
Auf einem anderen Weg begann ich, den Namen Springorum breiter zu untersuchen, indem ich Suchergebnisse nach Geburtsdaten sortierte. Dabei stieß ich auf eine ganz andere Familienlinie, ansässig in und um Dortmund, die bis in das frühe 17. Jahrhundert zurückreicht. Am Anfang steht Reinhard Springorum, der Catrinen Vasolt heiratete und sechs Kinder hatte. Ihre Nachkommen ließen sich später in Orten wie Herdecke, Schwelm und Unna nieder.
Dieser deutsche Zweig ist gut dokumentiert und umfasst mehrere Generationen, was auf eine fest etablierte Familienlinie hinweist. Natürlich hoffte ich, eine Verbindung zwischen den Nachkommen Reinhards und meiner eigenen Amsterdamer Linie zu finden. Doch trotz vieler Stunden in Online-Archiven ergab sich kein konkreter Nachweis. Ich fand keinen Eintrag, der Johann Heinrich Springorum, meinen frühest belegten Vorfahren, mit Reinhard oder dessen bekannten Nachkommen verband.
Ein fehlendes Bindeglied ganz in der Nähe
Das Rätsel ist umso frustrierender, da Henrichenburg weniger als 15 Kilometer von Dortmund entfernt liegt — geografisch so nahe, dass eine Verbindung naheliegend erscheint. Beide Zweige tragen einen seltenen Familiennamen, leben im selben regionalen Kontext und bestehen nur ein oder zwei Generationen voneinander entfernt. Und doch endet hier die schriftliche Spur.
Dennoch gibt es drei wichtige Hinweise darauf, dass unter der Oberfläche mehr verborgen liegt:
- Die Seltenheit des Namens „Springorum“ macht zwei völlig unabhängige Linien unwahrscheinlich. Der Name kommt in historischen Quellen nur selten vor, was die Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen Vorfahren erhöht.
- Die Nähe Henrichenburgs zu Städten wie Dortmund, Herdecke und Unna — wo die Nachkommen Reinhards lebten — unterstützt stark die Annahme einer familiären Verbindung.
- Eine entscheidende Bemerkung auf einer historischen Website in Schwelm legt nahe, dass Johann Heinrich möglicherweise ein Sohn von Pastor Johann Springorum von Ende (Kirchende) war — einem bekannten Sohn Reinhards. Sollte das zutreffen, würde Johann Heinrich direkt in die deutsche Springorum-Linie passen.
Auf der Suche nach Beweisen im DNA
Nach Wochen ohne Fortschritt in den Archiven wurde mir klar, dass ich einen anderen Ansatz brauchte. Wenn Dokumente keine Antworten liefern, kann vielleicht DNA weiterhelfen. Ich entschied mich für einen Test bei MyHeritage, in der Hoffnung, lebende Verwandte zu finden, die die Lücke zwischen den niederländischen und deutschen Springorum-Familien schließen könnten.
Die Bestellung des Testkits war unkompliziert, und innerhalb weniger Wochen war meine DNA Teil einer weltweiten Datenbank mit mehr als 6,5 Millionen Profilen. Während ich auf die Ergebnisse wartete, überprüfte ich regelmäßig das Portal — in der Hoffnung auf einen Durchbruch.
Als die Analyse abgeschlossen war, zeigte sich, dass ich mit mehr als 8.000 Personen übereinstimmte. Leider waren die meisten Treffer wenig hilfreich — Personen mit unvollständigen oder gar keinen Stammbäumen. Viele hatten den Test lediglich gemacht, um ihre ethnische Herkunft zu erfahren.
Doch dann fand ich, zwischen den niedrigeren Treffern verborgen, eine vielversprechende Spur: Christian, ein deutscher DNA-Match, mit einer geschätzten Verwandtschaft als vierter Cousin. Wir teilen 0,6 % unserer DNA, verteilt auf 41,3 cM in drei Segmenten, wobei das größte Segment 28,9 cM umfasst. Besonders bemerkenswert ist, dass Christian einen sehr detaillierten und gut dokumentierten Stammbaum mit über 1.000 Personen führt. Einer seiner direkten Vorfahren ist Johann Bernhard Springorum, ein direkter Nachkomme von Reinhard Springorum.
Dieser Match könnte der Durchbruch sein, nach dem ich gesucht habe. Für sich genommen ist er kein endgültiger Beweis, aber er ist das erste konkrete genetische Signal dafür, dass eine Verbindung zwischen den Amsterdamer Springorums und der älteren deutschen Linie besteht.
Vom DNA-Match zur familiären Verbindung
Wenn Johann Heinrich tatsächlich ein Sohn von Johannes war, bin ich genealogisch betrachtet ein sehr entfernter Verwandter von Christian (etwa neunter Cousin, einmal entfernt). Doch 41,3 cM deuten gewöhnlich auf eine deutlich nähere Verwandtschaft hin.
- Johann Bernhard Springorum I (1695 - 1778)
- Johann Bernhard Springorum II (1726 - 1790)
- Johanna Elisabeth Philippina Springorum
- Henriette Friedrike Clementine Marcks
- Elisabeth Philippine Hermine Emilie Von von Eicken
- Elisabeth Adeline Friederike Julia Clara Clementine Heinzelmann
- Margarethe Elisabeth Emilie Forelle
- Christian
Vielleicht kann ich einige theoretische Möglichkeiten ausschließen und arbeite daher verschiedene Szenarien aus:
Über Johann Heinrich Springorum ist nur wenig bekannt. Er war zunächst mit Sibylla Vasolt (1667–1704) verheiratet, was bedeutet, dass er vermutlich um dieselbe Zeit geboren wurde. Nach dem Tod von Sibylla heiratete er Helena Herdinck, von der lediglich das Todesdatum bekannt ist. Gemeinsam bekamen sie drei Kinder, geboren in den Jahren 1711, 1726 und 1728.
Johann Bernhard Springorum I wurde 1695 geboren und heiratete Gertrud Brenschede. Zusammen bekamen sie acht Kinder, geboren zwischen 1724 und 1742. Sein Vater, Caspar Reinhard, wurde 1660 geboren, heiratete Anna Mayland, und sie bekamen drei Kinder, geboren in den Jahren 1695 und 1696.
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War Johann Heinrich ein Sohn von Johann Bernhard? ⚠️ Unmöglich. Johann Bernhard wurde 1695 geboren, während der älteste Sohn von Johann Heinrich 1711 geboren wurde. Das ist ein Unterschied von nur 16 Jahren.
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War Johann Heinrich ein Bruder von Johann Bernhard? ⚠️ Zweifelhaft. Das würde bedeuten, dass beide Söhne von Caspar Reinhard Springorum (geb. 1660) waren. Das würde ein sehr junges Alter bei der Vaterschaft voraussetzen.
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War Johann Heinrich ein Cousin von Johann Bernhard? ⚠️ Unwahrscheinlich. Die Chronologie macht dieses Szenario wenig plausibel.
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War Johann Heinrich ein Onkel von Johann Bernhard? ✅ Dies ist das plausibelste Szenario: Johann Heinrich war vermutlich ein Bruder von Caspar Reinhard und somit ein Sohn von Johannes Springorum. Die Geburtsdaten der Kinder von Johannes passen in dieses Zeitfenster. Zu diesem Schluss kommt auch der Autor des Stammbaums auf der Heimat-Website in Schwelm.
Ich weiß, dass es noch keinen eindeutigen Taufeintrag gibt, der dies bestätigt. Doch auf Grundlage der verfügbaren Daten ist dies die logischste Verbindung zwischen dem Amsterdamer und dem deutschen Zweig: über Johann Heinrich als Sohn von Johannes Springorum.
Eine unerwartet starke DNA-Übereinstimmung erklärt
Wenn Johann Heinrich tatsächlich ein Sohn von Johannes war, dann bin ich genealogisch gesehen ein sehr entfernter Verwandter von Christian (etwa neunter Cousin, einmal entfernt). Doch eine gemeinsame DNA von 41,3 cM weist in der Regel auf eine deutlich nähere Verwandtschaft hin.
Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass Christian und ich zusätzlich über einen anderen, bislang unbekannten gemeinsamen Vorfahren miteinander verwandt sind — vermutlich fünf oder sechs Generationen zurück. Mit anderen Worten:
- Die entfernte Springorum-Verbindung ist real.
- Der Großteil der geteilten DNA stammt wahrscheinlich aus einer anderen, näheren Familienlinie.
Eine wahrscheinlichere Verwandtschaft bei einem Match von 41,3 cM wäre eine der folgenden Beziehungen:
| Beziehung | Typischer Bereich (cM) | Durchschnitt (cM) | Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| Halb-Cousin 3. Grades | 14–85 | ~43 | ✅ Hoch |
| Cousin 3. Grades, 1× entfernt (3C1R) | 14–123 | ~48 | ✅ Hoch |
| Cousin 4. Grades (4C) | 0–122 | ~35 | ✅ Mittel |
| Halb-Cousin 2. Grades, 2× entfernt | 14–85 | ~43 | ✅ Mittel |
| Cousin 4. Grades, 1× entfernt (4C1R) | 0–80 | ~20 | ⚠️ Möglich |
| Cousin 5. Grades (5C) | 0–50 | ~17 | ⚠️ Unwahrscheinlich |
Tabelle: Die wahrscheinlichste Verwandtschaft bei 41,3 cM gemeinsam geteiltem DNA (aus dem Shared cM Project v4 – basierend auf realen DNA-Match-Daten)
Christian und ich teilen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen gemeinsamen Vorfahren, etwa fünf oder sechs Generationen zurück. Es ist auch möglich, dass wir mehrere gemeinsame Vorfahren weiter hinten im Stammbaum haben.
Ein einzelnes DNA-Match beweist für sich genommen nichts. Doch die Tatsache, dass so entfernte Verwandte in der Regel überhaupt keine DNA miteinander teilen, macht diesen Match umso bemerkenswerter.
Zweite Beweislinie
Einige Monate nach dem DNA-Ergebnis holte mich schließlich auch die schriftliche Überlieferung ein.
Ich stieß auf eine Veröffentlichung von Dr. Höfken: Beiträge zur Geschichte der Familie Springorum in der Zeit von 1700–1800 aus dem Jahr 1935. Über ein Antiquariat gelang es mir, ein Exemplar zu erwerben. Beim Lesen begegnete mir — beinahe beiläufig — genau der Satz, auf den ich gehofft hatte.
Höfken stellt unmissverständlich fest, dass Pastor Johannes Springorum fünf Söhne hatte — und Johann Heinrich Springorum wird ausdrücklich unter ihnen genannt.
Das ist entscheidend. Johannes Springorum ist fest in der direkten Linie verankert, die von Reinhard Springorum abstammt. Mit Johann Heinrich nun eindeutig als sein Sohn identifiziert, ist die Generationslücke endgültig geschlossen — nicht nur durch Wahrscheinlichkeit, sondern durch schriftlich belegtes historisches Zeugnis.
Was als statistischer Hinweis durch DNA begann, ruht nun auf einer zweiten, unabhängigen Säule. Die Genetik wies die Richtung. Höfkens Forschung bestätigt sie.
Referenz: Beiträge zur Geschichte der Familie Springorum
Die Lücke geschlossen, die Geschichte eröffnet
Dieses DNA-Match liefert die Bestätigung, die notwendig war, um die niederländischen und deutschen Zweige der Familie Springorum miteinander zu verbinden. Nun, da die Linie vollständig ist, kann die Geschichte neu erzählt werden — vom späten Mittelalter in Westfalen bis zu den späteren Generationen in Amsterdam.